Makler-Talk über die richtige Krankenversicherung für Soldaten
„Viele machen hier gravierende Fehler“
Ein Interview unter Kollegen zur Krankenversicherungssituation für Soldaten
Da man selbst als Versicherungsmakler nicht immer alles über Versicherungen weiß, hatte ich über ein Kollegenforum die Frage nach der Funktionsweise der Pflegepflichtversicherung für Soldaten gestellt und darüber meinen Kollegen Dirk Wenzlaff aus der Oberpfalz kennengelernt, der in einem ausführlichen Forenbeitrag geschildert hat, wie die Absicherung von Zeitsoldaten (SaZ) und Berufssoldaten funktioniert und welche Fallstricke es gibt.
Um eben auch bei solchen Nischenthemen absolute Top-Qualität zu liefern, diskutiere ich Fachthemen regelmäßig in einem geschlossenen, bundesweiten Netzwerk aus erfahrenen Maklerkollegen. Ich habe das auch zum Anlass genommen, eine kleine Serie zu starten und Kollegen zu ihren Fachgebieten zu interviewen.
Dirk Wenzlaff ist ein ausgewiesener Spezialist für den Öffentlichen Dienst und die Bundeswehr.
Aus unserem kollegialen Austausch, habe ich hier die wichtigsten Erkenntnisse in diesem Interview für Sie zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
Reicht die Freie Heilfürsorge (FHF) aus?
Jürgen Bechstein: Hallo Dirk. Wer neu zur Bundeswehr kommt oder schon länger dabei ist, verlässt sich oft darauf, dass die sogenannte Freie Heilfürsorge (FHF) im Dienst alles abdeckt. Ist man damit als Soldatin oder Soldat nicht bereits rundum abgesichert?
Dirk Wenzlaff: Hallo Jürgen. Die Freie Heilfürsorge ist eine solide Basis für die aktive Dienstzeit – vergleichbar mit der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung. Aber sie ist eben, wie die Gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung, nicht lückenlos. Genau wie in der GKV gibt es auch bei der FHF Bereiche, in denen Soldatinnen und Soldaten eigenverantwortlich vorsorgen müssen. Wenn der Sanitätsbereich oder Truppenarzt nicht ausreichend weiterhelfen kann, greifen Soldaten häufig auf zivile Leistungserbringer, z.B. Krankenhäuser, Ärzte, Zahnärzte, Heilpraktiker und Physiotherapeuten, zurück. Und genau da entstehen schnell große Eigenanteile.
Sinnvolle Zusatzversicherungen für Soldaten
Jürgen Bechstein: Das deckt sich mit meinen Erfahrungen im zivilen Bereich. Welche Zusatzversicherungen empfiehlst Du für die Zeit der Freien Heilfürsorge denn konkret?
Dirk Wenzlaff: Drei Bereiche sind hier aus der Praxis heraus besonders relevant:
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- Zahnvorsorge & Zahnersatz: Ein Top-Tarif sollte den Eigenanteil beim zivilen Zahnarzt auf 70 bis 100 Prozent aufstocken, professionelle Zahnreinigungen (idealerweise zweimal pro Jahr) abdecken und eventuell ggf. Leistungen für Bleaching enthalten.
- Krankenhaus-Wahlleistungen: Wer im zivilen Krankenhaus behandelt wird und Wert auf ein Ein- oder Zweibettzimmer legt, sollte dies über einen Ergänzungstarif absichern. Weitere Wahlleistungen sind z.B. die Behandlung durch Spezialisten, Sonderverpflegung und spezielle Laborleistungen.
- Naturheilverfahren, Heilpraktiker und Akupunktur: Wer alternative Behandlungsmethoden bevorzugt, sollte auch diesen Baustein je nach persönlichem Wunsch berücksichtigen.
Das alles ist auch enorm wichtig für die Zeit nach der aktiven Zeit bei der Bundeswehr.
Große vs. kleine Anwartschaft: Wer braucht was?
Jürgen Bechstein: Ein zentrales Thema, bei dem wir Makler ganz genau hinsehen müssen, ist die Anwartschaftsversicherung. Hier hört man immer wieder von der „kleinen“ und der „großen“ Anwartschaft. Wo liegt der genaue Unterschied und wer braucht was?
Dirk Wenzlaff: Das ist einer der Punkte, an denen in der Praxis die meisten und gravierendsten Fehler passieren! Die Regel ist eigentlich denkbar einfach:
- Soldatinnen und Soldaten auf Zeit (SaZ): Hier sollte IMMER mindestens die kleine Anwartschaft abgeschlossen werden. Sie friert den aktuellen Gesundheitszustand ein, sodass spätere Vorerkrankungen bei einem Tarifwechsel nicht zu Risikozuschlägen oder Ablehnungen führen.
- Berufssoldatinnen und Berufssoldaten (BS): Hier ist IMMER die große Anwartschaft zu wählen. Sie sichert nicht nur den Gesundheitszustand, sondern bildet zusätzlich Alterungsrückstellungen. Das hält die Beiträge im späteren Ruhestand bezahlbar.
In diese Tarife können dann auch sämtliche o.g. Zusatzvorsorgen integriert werden.
Strategische Planung & Top-Anbieter
Jürgen Bechstein: Viele Soldaten auf Zeit wissen ja zu Beginn ihrer Dienstzeit noch gar nicht exakt, wie es danach beruflich weitergeht. Gibt es Dinge, die Du empfiehlst, schon heute strategisch für die Zukunft aufzustellen?
Dirk Wenzlaff: Auf jeden Fall. SaZ wechseln nach dem Ende ihrer Dienstzeit sehr häufig in ein Beamtenverhältnis – und das oft zu vereinfachten Bedingungen. Soldaten sollten deshalb von Anfang an darauf achten, dass sie die Pflegepflichtversicherung (PVB) und die Anwartschaft bei einem Versicherer abschließen, der später auch über ausgezeichnete Beihilfe-Tarife verfügt und berufsoffen ist. Ein großer Vorteil dabei: Wählt man von Beginn an den richtigen Anbieter, werden auch die gebildeten Rückstellungen aus den FHF-Zusatztarifen später nahtlos in den Beihilfe-Tarif überführt.
Jürgen Bechstein: Zum Abschluss noch eine Einschätzung aus Deinem Alltag: Gibt es Gesellschaften, die im Bereich der Bundeswehr-Vorsorge aus Deiner Sicht besonders stark aufgestellt sind?
Dirk Wenzlaff: Es gibt Gesellschaften mit hervorragenden Bedingungen und modernen Tarifwelten. In meiner täglichen Beratungspraxis gehören dazu Top-Anbieter wie die Barmenia oder die Allianz. Überdies kann man auch über die ARAG nachdenken, die mit einer vorzüglichen Tarifwelt, mit Schwerpunkt auf junge Versicherte, neu gestartet ist. Junge Tarife bieten auch immer ein gewisses Risiko, dass es bald zu Beitragsanpassungen kommen könnte. Wichtig ist aber – und da stimmst Du mir als PKV-Experte sicher zu –, nicht nur auf den großen Namen eines Anbieters zu schauen, sondern die konkreten Leistungsbedingungen für den jeweiligen Einzelfall kritisch zu prüfen. Nur weil eine Gesellschaft vielleicht als Konsortialführer der Bundeswehr-Versorgung bekannt ist, heißt das nicht automatisch, dass sie im individuellen Einzelfall die beste PKV-Leistungsbereitschaft bietet.
Jürgen Bechstein: Absolut, die Teufel stecken oft im Detail der Versicherungsbedingungen. Dirk, ich danke Dir vielmals für diesen tiefen Einblick in Dein Spezialgebiet! Vielleicht interessiert Dich auch mein kommendes Interview mit dem bKV‑Spezialisten Timo Staffeldt, schau mal drauf 😉
Über den Experten im Interview
Dirk Wenzlaff ist Inhaber von Der 360 Grad Makler und berät als ausgewiesener Fachmann seit vielen Jahren erfolgreich Soldatinnen und Soldaten (SaZ & BS) sowie Beamtinnen und Beamte, Anwärterinnen und Anwärter, sowie Referendare und Referendarinnen, rund um die Themen Krankenversicherung, Beihilfe, freie Heilfürsorge, Grundfähigkeiten, Berufs- und Dienstunfähigkeit.
E-Mail: info@anders-als-andere.eu
Telefon: +49 179 290 69 71
Web: www.der360gradmakler.com
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